Meine ganz persönliche Geschichte

… begann vor vielen Jahren, als ich nach einigen Jahren voller Glück, Hoffnung, Freude und Erfolg plötzlich alleine mit meinem damals sehr kleinen Sohn in einer für mich fremden Großstadt stand. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade erst 27 Jahre alt, war finanziell und persönlich angeschlagen und war zusätzlich gesundheitlich und psychisch gefühlt ziemlich am Ende!

Ich habe erst viel später verstanden, was mir das sagen sollte. Tatsächlich war ich einfach nicht aufmerksam und achtsam genug, die vielen Hinweise und Zeichen auf dem Weg dorthin zu verstehen, die mich dann letztendlich an diesen Tiefpunkt geführt haben

Anja Josten Kleinkind

Anja Josten – Meine Geschichte

Aber jetzt erst einmal alles von vorne

Die Umstände, in denen meine kleine Familie lebte, waren äußerlich betrachtet, relativ normal. Aber was heißt das schon! Ich hatte einen Ehepartner, der nicht nur 13 Jahre älter war, nein, er war auch mit mir bereits seine zweite Ehe eingegangen. Natürlich gab es aus dieser Ehe ebenfalls Kinder. Das war schon damals mein erster großer Konflikt mit meinen Eltern, die unabhängig voneinander gegen diese Beziehung waren. Obgleich auch meine Eltern sich haben scheiden lassen, als ich 11 Jahre alt war. Und beide Elternteile waren neu verheiratet.

Meine Idee von einer Beziehung oder Ehe war sehr idealistisch. Mir würde das nicht passieren, dachte ich damals, ich mache das ganz anders! Und letztendlich habe ich es tatsächlich ganz anders gemacht, aber in welcher Form, das war mir damals noch nicht bewusst.

Die Realität

Mein Partner arbeitete damals sehr viel und ich war häufig alleine mit unserem Sohn. Ich war, ähnlich wie auch in meiner Kindheit, auf mich allein gestellt. Aber das war ich ja schon gewohnt und es machte mir gefühlt nichts aus! Dachte ich.

Ich fühlte mich stark, unabhängig, endlich geliebt und verstanden. Und doch stimmte das nicht ganz, denn ab und zu bemerkte ich meinen Zweifel. Ich beobachtete vieles und es fiel mir immer schwerer, mich zu fühlen und vor allem auszudrücken, was ich dachte. Mein kleiner Sohn lenkte mich ab und ich glaubte weiterhin, dass müsse wohl alles so sein.

Aber wie es mir tatsächlich ging, erfuhr niemand. Noch nicht einmal ich selbst habe es so richtig mitbekommen. Ich fing an, mich mit vielen verschiedenen Dingen zu beschäftigen, beispielsweise mit dem Alltag, meiner Familie, meiner beruflichen Zukunft usw. Nur nicht mit mir selbst!

Meine Ängste

Heute weiß ich, dass ich Angst hatte davor, genau hin zu sehen, hin zu fühlen, zu spüren, dass vieles gegen meine eigene Vorstellung ging. Ich akzeptierte die Meinung der anderen, machte oftmals Dinge, die ich selbst gar nicht machen wollte. Kurzum, ich entfernte mich immer mehr von mir selbst, von meinen Wünschen und Träumen, meinen Vorstellungen.

Realistisch betrachtet fühlte ich mich überfordert mit einem einjährigen Baby in einer für mich fremden Stadt, niemand, den ich näher kannte. Die einzige Person, die mir vertraut war, war kaum anwesend. Auch meine restliche Familie interessierte sich nicht sonderlich dafür. Das erschien mir damals  völlig „normal“. Es war früher, in meiner Kindheit, nicht viel anders. Meine Mutter war damals auch nur selten präsent, beschäftigt mit vielen Dingen. Mein Vater arbeitete ständig, ich sah ihn kaum persönlich.

Warum sollte es mir auch schlecht gehen? Ich war ja überglücklich über das wunderbare Geschenk, dass ich erhalten habe – meinen kleinen Sohn. Und das ist die eine Seite der Medaille. Die andere war – ich fühlte mich allein – mutterseelenallein und einsam. Aber diese Seite zeigte ich niemand!

An den Wochenenden spielte ich die Super Mama und fröhliche Ehefrau. Nur nicht auffallen, nur nicht unnötig Sorgen machen, niemanden belasten mit meinen ‚kleinen Sorgen‘. Ich hoffte, das sich irgendwann sicher etwas ändern wird – jedoch es änderte sich nicht viel.

Meine Gefühle

Meine Gefühle zeigte ich immer weniger, ich begann nur noch zu funktionieren – und darin war ich richtig gut! Das hatte ich ja bereits als Kind perfekt gelernt! Heute weiß ich, dass ich meine Rolle aus der Kindheit nun auch in meinem Erwachsenen Dasein perfekt spielte.

Sicherlich habe ich in dieser Zeit sehr viel gelernt und erfahren, auch wenn es oftmals schmerzhafte Erfahrungen waren. Deshalb wusste ich im Prinzip gar nicht, was heißt denn ‚sich selbst fühlen‘? Und wo sollte ich fühlen? Im Körper? Emotionen? Keine Ahnung! Damals war mir das alles nicht bewusst.

Aber zum Glück hatte mein damaliger Hausarzt einen Blick darauf. Er warnte mich mehrmals eindringlich – das war mein Glück! Ich fühlte, dass er irgendwie recht hatte, obwohl ich es nicht wirklich verstanden hatte. Mein kleiner Sohn und ich wurden immer häufiger krank – nichts Schlimmes, aber es war auffallend. Und ich war zusehens unglücklich und traurig, heute würde ich sagen – ich wurde teilweise depressiv. Und die Zeit schritt weiter voran …

Irgendwann reichte es mir dann – ich wollte mein Leben ändern, ich wollte wieder lachen, Spaß haben, meine Freunde treffen. Einfach mich wieder wohl fühlen. Nach vielen Gesprächen und nicht gehaltenen Versprechen entschloss ich mich, diese Stadt zu verlassen.

Ich beschloss mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen und meine Geschichte ab sofort selber neu zu schreiben – frei von der Meinung anderer.

Raus aus der Abhängigkeit – rein in die Eigenverantwortung!

Das war leichter gesagt als getan. Wir, mein Sohn und ich, zogen dann nach über 15 Jahren Abwesenheit wieder in meine alte Heimatstadt zurück. Mein Partner wollte sich einen neuen Job suchen und dann nachkommen. Sicher ahnst Du jetzt schon was passiert ist – er hat es sich anders überlegt. Zudem hatte er sich in der Zwischenzeit eine neue Freundin gesucht. Aber das erfuhr ich natürlich erst, nachdem ich weggezogen war.

Der Neuanfang gestaltete sich nicht so einfach, aber ich war guten Mutes. Zu der Trennung kamen noch weitere Sorgen und Probleme dazu, wie kann es anders sein. Ich hatte keinen Job, einen zweijährigen Sohn (damals gab es noch keine Betreuung unter 3 Jahren), zwischenzeitlich keine Wohnung, kein Geld zum Leben.

Kein leichter Start – aber ich gab nicht auf!

Meine größte Motivation war damals mein Kind, nur für ihn wollte ich das alles durchhalten. Persönlich habe ich selbst eine große Wunde in mir gespürt. Da war es wieder, das Gefühl, nicht gesehen, nicht wertgeschätzt, nicht anerkannt und nicht geliebt zu werden. Die gewünschte und angeforderte Unterstützung meiner Familie blieb aus, wie sollte es anders sein.

Meine eigenen Muster, nichts wert zu sein und es nicht geschafft zu haben, waren im Laufe der Jahre tief verankert in mir. Ich wusste, ich muss jetzt etwas verändern – auch wenn es mir nicht leicht viel. Also suchte ich mir Hilfe und Unterstützung bei einer Therapeutin.

Im Laufe der Therapie habe ich vieles erkannt, gesehen, habe viele Tränen geweint. Aber heute weiß ich, wie wertvoll diese Zeit der Entwicklung für mich war. Damals war ich ungefähr Anfang 30.

Und dann begann mein neues Leben

Ich entschied mich ganz bewusst dafür – auch wenn andere es oft belächelt haben. Mein Entschluss, beruflich mich zu verändern, zog viele neue Möglichkeiten und auch Herausforderungen in mein Leben. Als erstes beschloss ich, meinen Heilpraktiker für Psychotherapie zu machen. Das Thema Psyche und die ganzen Zusammenhänge mit der Familie faszinierten mich von Anfang an. Gesagt – getan.

Parallel dazu habe ich eine Ausbildung zur Yoga- und Meditationslehrerin gemacht. Meditation und Yoga haben mir enorm viel Kraft gegeben und ich lernte, mich überhaupt wieder zu spüren. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar. Heute ist beides nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken.

Weiter ging es später mit einigen Systemischen Ausbildungen, Fortbildungen in Psychotherapie, Psychotraumatologie, Entspannung, Hypnose, Pädagogik und vieles mehr.

Und das Leben geht immer weiter

So, meine Geschichte ist natürlich noch nicht zu Ende, aber für heute höre jetzt erst einmal auf. Vielleicht schreibe ich einmal ein Buch über mein Leben, das haben mir Freunde schon öfter empfohlen. Wenn Du mehr von mir wissen möchtest, schaue doch hier nach.

Denn die beschriebenen Jahre waren erst der Anfang von einer unglaublichen Entwicklung!

Anja Josten – ganz privat!

P. S.: Diese Geschichte habe ich für Dich geschrieben, damit Du erkennst, dass Du nicht alleine bist. Nicht nur Du hast Schmerz und Leid erfahren. Wir alle haben unsere Geschichte – und wie sieht Deine Geschichte aus?

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